Kongress 1997
Rehabilitation bei Herz-Kreislauferkrankungen – quo vadis? Aktuelle Entwicklungen in Medizin, Psychologie und Sozialpolitik
Aus dem Vorwort der Publikation:
Die in diesem Buch zusammengetragenen Aufsätze sind redaktionelle Überarbeitungen von Vorträgen, die auf dem Kongreß »Rehabilitation bei Herz-Kreislauferkrankungen – quo vadis?« gehalten wurden, der am 19. und 20. September 1997 im Auditorium Maximum der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel stattfand. Dieser Kongreß wurde vom Institut für Sport und Sportwissenschaften der Universität Kiel, der Landesarbeitsgemeinschaft für kardiologische Prävention und Rehabilitation in Schleswig-Holstein e.V. (LAG) und dem Sportärztebund Schleswig-Holstein e.V. gemeinsam ausgerichtet und stand unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e.V. (DGPR).
Der Kongreß fand einige Monate nach den am 1. Januar 1997 in Kraft getretenen Sparbeschlüssen der alten Bundesregierung statt, durch welche die Rehabilitation in eine schwere Krise geraten ist. Aufgrund dieser Sparbeschlüsse wurden die Kostenträger, die Rentenversicherungen und die Krankenkassen, gezwungen, einen erheblichen Teil der bisherigen Ausgaben für die Rehabilitation einzusparen. Auf der anderen Seite wurde der Zugang zu Leistungen der Rehabilitation von seiten der Patienten durch Erhöhung der Zuzahlungen und Anrechnung von Urlaubstagen erschwert. Aufgrund dieser Faktoren ist es inzwischen zu drastischen Belegungseinbrüchen in vielen Rehabilitationskliniken, u.a. auch in Schleswig-Holstein, gekommen. Hunderte Rehabilitationskliniken mußten bundesweit inzwischen Konkurs anmelden, ca. 50.000 Arbeitsplätze sind im Rehabilitationsbereich bisher verloren gegangen.
Die in diesem Buch zusammengestellten Beiträge beschäftigen sich mit verschiedenen Aspekten einer dem heutigen Stand der Wissenschaft entsprechenden Rehabilitation bei Herz-Kreislauferkrankungen. Wichtigstes Rehabilitationsziel bei Patienten mit einer chronischen Herzkrankheit ist die Sekundärprävention: besonders der Abbau von Risikofaktoren, um die Progression der Erkrankung zu stoppen. In mehreren Beiträgen geht es um den heutigen Kenntnisstand hinsichtlich psychosozialer Aspekte der koronaren Herzkrankheit und um die erforderlichen Lebensstil-Veränderungen. Weiterhin wird dargelegt, welche Möglichkeiten der beruflichen Rehabilitation bei Patienten nach Herzinfarkt und Bypass-Operation heute bestehen. Aber auch Aspekte der kurativen Medizin wie z. B. neue Entwicklungen der medikamentösen Therapie werden ausführlich erörtert, da auch sie ein unverzichtbarer Bestandteil einer modernen Rehabilitationsbehandlung sind. Nicht nur aus diesem Grunde ist trotz unterschiedlicher Aufgabenstellung eine enge Vernetzung zwischen Akutmedizin und Rehabilitationsmedizin notwendig. Abschließend kommen Kostenträger und in der Sozialpolitik Verantwortliche mit Beiträgen zu Wort.
Zweifellos haben die verabschiedeten Sparbeschlüsse der alten Bundesregierung inzwischen die Rehabilitationslandschaft in Deutschland nicht nur zum Guten verändert. Trotzdem bleibt zu hoffen, daß die Rehabilitation in ihrem Kernbestand erhalten bleibt, denn objektiv wird der Bedarf an Rehabilitationsbehandlungen angesichts der demographischen Entwicklung in den nächsten Jahren und Jahrzehnten und der damit einhergehenden zunehmenden Morbidität unserer Bevölkerung an chronischen Erkrankungen noch weiter steigen. Die Herausgeber wollen mit der Veröffentlichung der in diesem Band enthaltenen Beiträge über wichtige Inhalte der modernen kardiologischen Rehabilitation informieren. Zugleich möchten sie einen Beitrag dazu leisten, daß die Rehabilitation nicht weiter zu einem Steinbruch einer verfehlten Gesundheitspolitik verkommt. Statt dessen sollte »Nicht an der Rehabilitation, sondern durch die Rehabilitation sparen« Leitmotiv einer verantwortungsbewußten Gesundheitspolitik werden.
J.-P. Janssen,
K.-D. Kolenda und
H. Rieckert