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Ringvorlesung WS 2004/05

Lebensstile und Gesundheit im Alter

Plakat zur RingvorlesungIm Jahre 1985 erschien in den USA ein Buch mit dem geheimnisvollen Titel The greying of America. Gemeint war der allmähliche, aber unaufhaltsame Umbau der Bevölkerungspyramide in eine Art Wolkenkratzer wie das Empire State Building in New York. Die Gerontologin und ehemalige Bundesgesundheitsministerin Ursula Lehr gibt zu bedenken, dass heute auf einen 75jährigen Menschen nur noch zwölf ganz junge Menschen kämen. Sind wir darauf eingestellt?

Denn mit der Veränderung der Altersstruktur in den Industrienationen sind auf längere Sicht erhebliche soziale Umwälzungen im Lebensstil sowie in der Versorgung und Betreuung der Ruheständler und Pensionäre verbunden. Das Ziel einer Selbständigkeit im Alter, die solange wie möglich zu erhalten wäre, erfordert nicht nur einen Sinneswandel der wirtschaftlich tragenden Generation, sondern auch ein Umdenken und Umsteuern in den Lebensgewohnheiten der älteren Bevölkerung. Dabei spielen das Freizeitverhalten sowie Spiel, Sport und Bewegung für die Gesundheit, für die Selbständigkeit mit ihrer Lebensqualität und auch für die Langlebigkeit im Alter eine nicht zu unterschätzende Rolle. Galt bisher ein langes Leben als ein erstrebenswertes Lebensziel, das nur wenigen auszuleben vergönnt war, so verändert sich diese Perspektive, wenn eine Vielzahl, ja eine Mehrheit ein Alter von neunzig Jahren erreichen sollte. Kann dieses durchaus erreichbare Glück einer großen Zahlvon Alten überhaupt von den nachwachsenden Generationen getragen werden? Büßen unsere Kinder und Enkel nicht von ihrem Lebensglück vieles an Komfort und Freiheiten ein, wenn sie für dieses alte Glück aufkommen müssen? Denn ältere Menschen benötigen Ansprache, Betreuung, allerlei Prothesen und schließlich jede Menge Pflege. Ist das zu bezahlen, ist dies für die Jüngeren leistbar? Frau Lehr spricht vom Fünfgenerationenvertrag, welcher den Dreigenerationenvertrag abgelöst hätte. Nicht mehr eine einzige Generation, sondern drei Arbeitsgenerationen müssten für die Versorgung der Alten aufkommen.

Burkhard Weisser und Hans Rieckert bei der Diskussion

Der Arbeitskreis Gesundheitsförderung und Rehabilitation durch Lebensstiländerungen an den Universitäten Kiel und Lübeck lädt alle Kieler zur Ringvorlesung „Lebensstile und Gesundheit im Alter“ herzlich ein. Die Vorträge dauern ca. ein Stunde. Anschließend beantworten die Referenten Fragen des Publikums und diskutieren kontroverse Meinungen.

J.P. Janssen, A. Conzelmann, K.D. Kolenda, O. Mittag,  M.J. Müller,  H. Rieckert und  B. Weisser

Referenten

Prof. Dr. med. Christoph M. Bamberger, Endokrinologie und Stoffwechsel des Alters, Medizinische Klinik I/ Endokrinologie, Zentrum für Innere Medizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf

Dr. rer. pol. Gerhard Berger, Soziologie, Institut für Soziologie, Universität Kiel

Prof. Dr. med. Hartmut A.G. Bosinski, Sexualmedizinische Forschungs- und Beratungsstelle im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel

Prof. Dr. rer. soc. Achim Conzelmann, Sportpsychologie und Bewegungswissenschaft, Institut für Sport und Sportwissenschaften, Universität Kiel

Prof. em. Dr. med. Dr. Klaus Dörner, Psychiatrie, Hamburg

Prof. Dr. rer. soc. Wolf-Dieter Gerber, Medizinische Psychologie, Institut für Medizinische Psychologie im Zentrum Kopf- und Neuromedizin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel

Prof. Dr. med. Joachim Hassenpflug, Orthopädie, Klinik fürOrthopädie im Zentrum für operative Medizin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel

Prof. Dr. med. Wulf-Dieter Möller, Neurologie, H.G. Creutzfeldt-Institut für Klinische und Theoretische Neurologie und Psychiatrie, Kiel

Prof. em. Dr. med. Hans Rieckert, Sportmedizin, Institut für Sport und Sportwissenschaften, Universität Kiel

Prof. Dr. med. Gerald Rimbach, Lebensmittelwissenschaft, Institut für Humanernährung und Lebensmittelkunde, Universität Kiel

Prof. Dr. phil. Wolfgang Schlicht, Sportwissenschaft, Institut für Sportwissenschaft, Universität Stuttgart

Prof. em. Dr. med. Hubert Speidel, Psychotherapie und Psychosomatik, Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik im Zentrum für integrative Psychiatrie GmbH, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel

Prof. em. Dr. Dr. h.c. Reinhart Staats, Ältere und Mittlere Kirchengeschichte, Institut für Kirchengeschichte und Kirchliche Archäologie, Universität Kiel

Prof. Dr. med. Burkhard Weisser, Sportmedizin, Institut für Sport und Sportwissenschaften, Universität Kiel

Termine

WS 2004/05
montags, 18 c.t. bis 20 Uhr im Hörsaal 3, Gebäude I, Olshausenstraße 75 in Kiel

Wir bedanken uns bei den stets etwa über 250 Zuhörern dieser Veranstaltung!

25. Oktober
Warum werden wir immer älter? Determinanten der Lebenserwartung
B. Weisser

1. November
Lebensstile und Alter in unserer Gesellschaft
G. Berger

8. November
Zufriedenes Altern – welche Rolle spielen sportliche Aktivitäten?
A. Conzelmann

15. November
Körperliche Leistungsfähigkeit des alten Menschen
H. Rieckert

22. November
Sexualität im Alter
H. Bosinski

29. November
Ernährung im Alter
G. Rimbach

6. Dezember
Psychische Störungen im Alter
H. Speidel

13. Dezember
Altersdemenz – Schicksal und Behandlungs-möglichkeiten
W.-D. Möller

10. Januar
Leben mit künstlichen Gelenken im Alter
J. Hassenpflug

17. Januar
Verlust, »empty nest« und Scheidung im Alter
W.-D. Gerber

24. Januar
Selbstbestimmung und soziale Bedeutung im Alter
K. Dörner

31. Januar
Antiaging und Hormone im Alter
C.M. Bamberger

7. Februar
Mit Aktivität im Alter gesund bleiben
W. Schlicht

14. Februar
Lebenslange Arbeit an Seele und Leib – Lehren aus der Kirchengeschichte
R. Staats